Der Einstieg ist etwas anstrengend zu lesen. Die Protagonistin ist distanziert, fast schon unangenehm kontrolliert, und man fragt sich schnell, worauf das Ganze eigentlich hinauslaufen soll. Gerade im ersten Drittel passiert storytechnisch nicht sonderlich viel, dafür aber umso mehr im Kopf der Erzählerin. Dranbleiben lohnt sich aber, denn dann entfaltet das Buch seine volle Power und ich konnte es nicht mehr weg legen.
Ohne zu viel von der Story vorwegzunehmen, geht es viel um Geld, Macht, Herkunft und das Gefühl, nie wirklich dazuzugehören. Themen wie Identität, Rassismus und Selbstentfremdung ziehen sich durch das ganze Buch und werden teilweise sehr schonungslos dargestellt.
Besonders die Themen Reinheit und Kontrolle haben hier sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn einen hohen Stellenwert. Die Gedanken der Protagonistin sind oft obsessiv, widersprüchlich und manchmal schwer auszuhalten, aber genau das macht den Reiz des Buches aus.
Der Schreibstil ist sehr direkt, kühl und klar fast schon schonungslos.
Ich kann mir gut vorstellen, dass „Schmutz“ polarisiert – entweder man fühlt sich davon angezogen oder komplett abgestoßen. Für mich hat es gerade durch diese Unbequemlichkeit funktioniert.
Wenn ihr Bücher mögt, die mehr Gefühl und Gedankenwelt als Handlung liefern und euch moralisch nicht an die Hand nehmen, könnte „Schmutz“ genau euer Ding sein.
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